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Anhebung der Mindestschulgrößen gefährdet kleine Schulen im ländlichen Raum

„Der rot-rot-grüne ‚Thüringen-Plan Zukunft Schule‘ würde das Aus für viele kleine Schulen im ländlichen Raum bedeuten“, ist sich die Landtagsabgeordnete Beate Meißner sicher. Der neue Schulplan sei ein Personalsparmodell und ein massiver Eingriff in die Thüringer Schullandschaft – auch im Landkreis Sonneberg.

Neue Mindestschülerzahlen von 80 Schülern an ländlichen Grundschulen, 242 Schülern an (mindestens zweizügigen) Regelschulen und 576 Schülern an (mindestens dreizügigen) Gymnasien – diese Schulgrößen laut Plan der der Landesregierung könnten das Aus für zahlreiche Schulstandorte bedeuten(Freies Wort berichtete am 30.4.).Gerade kleine Schulen wären dann gefährdet: „In unserem Landkreis haben mehrere Grundschulen und weiterführende Schulen zu wenig Schüler und würden damit unter die Mindestgröße fallen. Im schlimmsten Fall müssten diese schließen – darunter sogar das Gymnasium in Neuhaus am Rennweg. Viele weiterführende Schulen erfüllen auch nicht in allen Klassenstufen die verlangte Zwei- bzw. Dreizügigkeit“, zeigt sich Meißner besorgt.

Schon vor zwei Jahren beinhaltete ein Entwurf einer Rechtsverordnung des Bildungsministeriums derartige Mindestvoraussetzungen. Nach heftigem Widerstand beschwichtigte die damalige Bildungsministerin Birgit Klaubert (Linke), es handele sich um einen Referentenentwurf, der aber nie über die Arbeitsebene hinausgekommen sei und nicht ihren Absichten entspreche. Im neuen „Thüringen-Plan Zukunft Schule“ von Bildungsminister Helmut Holter (Linke), finden sich nun eins zu eins die Zahlen des Referentenentwurfs aber auch Vorgaben, die zum Teil noch über die damaligen Mindestgrößen hinausgehen. Das entsprechende Gesetz solle noch 2018 verabschiedet werden. Meißner fragt sich, wie denn der vom Ministerium damals angekündigte „breite Beteiligungsprozess“ nun zum nahezu selben Ergebnis kommen kann wie der scharf kritisierte  Referentenentwurf.

Auch zu den Mindestklassengrößen macht das Ministerium Vorgaben. Grundschulen sollen 20 bis 25, Regelschulen: 22 bis 28 und Gymnasien 24 bis 30 Schüler pro Klasse haben. Bei Gemeinschafts- und Gesamtschulen, die diese Schularten zusammenfassen, soll die Klassengröße je nach Klassenstufen variieren. „Es ist aber nicht nur zahlenmäßig ein großer Unterschied, ob ein Kind zusammen mit 15 oder mit 29 Mitschülern lernt. Auch für die Inklusion sind kleine Klassen mit einer guten Personalausstattung wichtig“, so die Sozialpolitikerin.

Entfernungen werden im Thüringen-Plan ebenfalls thematisiert: Für Grundschulen sollen zweimal 35, für Regelschulen zweimal 45 und für Gymnasien zweimal 60 Minuten Schulweg gelten. Gemeinschaftsschulen orientieren sich an den Richtwerten der Basisschularten. Beate Meißner zeigt sich empört: „Es ist für den Bildungsminister also in Ordnung, wenn ein Erstklässler täglich eine Stunde und 10 Minuten Bus fährt?“

„Minister Holter betreibt Schulpolitik mit der Sense und versucht Thüringen in ein Schema zu pressen, das den Gegebenheiten in unseren Dörfern und ländlichen Regionen nicht gerecht wird“, kritisiert sie. Im Ministerium beruhigt man hingegen, dass es nicht um Schulschließungen, sondern um Kooperationen gehe. Wie genau das aussehen soll, solle vor Ort entschieden werden. „Wie sollen aber Kooperationsmodelle funktionieren, wenn die Zuweisung der Lehrer allein über die Klassengrößen erfolgt?, wundert sich Meißner. Statt ausreichend Lehrer zu gewinnen, werde lieber das Schulnetz ausgedünnt.

Sie rechnet mit großem Widerstand der Schulträger und hofft auf ein Einlenken des Ministeriums. „Eine erste Aufgabe des neuen Landrats wäre, hier ein Veto einzulegen“, so Meißner. „Schulgrößen sollten meiner Meinung nach weiterhin partnerschaftlich zwischen Kommunen und Land vereinbart werden.“ Denn die Schulträger bräuchten bei der Schulnetzplanung aus demographischen und geografischen Gründen Flexibilität und die Möglichkeit regionaler Differenzierungen.

Gegen die neuen Pläne hätten die kommunalen Schulträger kaum eine Handhabe, seien im Fall der Fälle jedoch für die höheren Transportkosten zuständig. „Der Grundsatz ‚kurze Beine – kurze Wege‘ wurde wohl zwischen schlechter Personalpolitik und Ideologie vergessen. Meine Zustimmung bekommt das Gesetzesvorhaben im Landtag jedenfalls nicht“, so die Wahlkreisabgeordnete abschließend.

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