engagiert von Anfang an

Eine Schule für besondere Kinder mit Existenzberechtigung

Die vor kurzem durch den Bildungsminister der Rot-Rot-Grünen Thüringer Landesregierung abgegebene Standortgarantie für Schulen soll nicht auf die Thüringer Förderschullandschaft angewendet werden. Es ist gar von einer Umwandlung der aufwendig sanierten und barrierefreien Förder-schulen in Beratungszentren die Rede.

“Realitätsfremd”, findet die hiesige Landtagsabgeordnete Beate Meißner: „Die Entscheidung, wo ein Kind mit diagnostizierten Förderbedarf lernt, sollte schlussendlich bei den Eltern in Zusammenarbeit mit einem geschulten Diagnostikteam liegen. Sie kennen das Kind am besten und können individuell abgestimmte Lösungen erarbeiten.“ Für eine vollumfängliche Inklusion gäbe es derzeit weder das notwendige Personal, noch ist die Barrierefreiheit an allen Schulen gegeben. Darüber hinaus ist sich Meißner sicher, dass es Kinder mit Benachteiligungen gibt, die ein besonderes Umfeld mit individueller Förderung für einen guten Schulstart brauchen.

Um sich einen praktischen Einblick der wertvollen Arbeit an Förderschulen zu verschaffen, nutzte die Abgeordnete im Vorfeld des „Tages der offenen Tür“ einen Vorabtermin am Staatlichen regionalen Förderzentrum in Sonneberg. Hier konnte Beate Meißner zusammen mit der Schulleiterin Heike Funke die Klassen der Schuleingangsphase, der Lernförderung, Mittel-, Ober- und Werkstufe sowie die temporäre Lerngruppe besuchen.
Die Förderschwerpunkte der hier unterrichteten Kinder sind vielfältig. Sie reichen von Problemen im Lernen, Auffälligkeiten im sozialen und  emotionalen Verhalten, bei der Sprache bis hin zur körperlichen oder geistigen Beeinträchtigung. Es wird präventiv mit Schulen zusammengearbeitet und die Angebotsvielfalt sonder-pädagogischer Förderung durch Weiterbildung und jahrelange Erfahrung erweitert. Nicht selten ist ein Übertritt in eine andere Schulform nach intensiver Förderung möglich. Die Förderschule unterstützt darüber hinaus als Förderzentrum mit ca. 25 Förderlehrkräften, also der Hälfte des gesamten Lehrkörpers, den gemeinsamen Unterricht in den allgemeinen Schulen und koordiniert Erziehung, Unterricht, Beratung, Therapie, Betreuung und Pflege.

Im Gespräch mit der Klassenlehrerin Frau Boller wurde deutlich, um was es den Pädagogen geht: „Fordern, fördern, aber nicht überfordern.“ Dabei kommen unterschiedliche Lehr-methoden und nicht selten im Laufe der Jahre eigens entwickelte Lernmaterialien zum Einsatz. Am Förderzentrum kann mit speziell geschultem Lehrpersonal individuell auf die Bedürfnisse des Kindes eingegangen werden und so ein guter Schulstart ermöglicht werden.

„Ich bin tief beeindruckt vom Einfühlungsvermögen, dem sonderpädagogischen Fachwissen und jahrelanger Erfahrung des Lehrpersonals. Nicht selten sind dabei auch starke Nerven gefragt. Dafür zolle ich allen Lehrerinnen und Lehrern, aber auch den sonderpädagogischen Fachkräften und Schulbegleitern meinen höchsten Respekt.“

Das Fazit der Sozialpolitikerin lautet daher: „Meine Überzeugung, dass Förderschulen im Thüringer Bildungssystem unverzichtbar sind, hat sich nochmals verfestigt. Ich werde mich daher auch weiter für deren Erhalt und Unterstützung einsetzen.“ Neben ca. 110 Schülern am Förderzentrum für das kommende Jahr zuzüglich der ca. 117 Schüler im integrativen Förder-unterricht an verschiedenen Schulen im Landkreis ist der Bedarf da, und er wächst stetig. Nicht zu vergessen seien die Kinder mit Förderbedarf, die nach der Schuleingangsphase ab Klasse 3 fortlaufend von den Grundschulen an die Förderschule wechseln. „Eine Schule, die „atmet“ und auch zukünftig für besondere Kinder ihre Existenzberechtigung haben muss“, so Beate Meißner abschließend.

17.05.2018

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