engagiert von Anfang an

Landtagsabgeordnete besucht Sonneberger IHK-Niederlassung

Seit März 2021 ist der neue Niederlassungsleiter der Industrie- und Handelskammer (IHK) Südthüringen in Sonneberg nun schon in Amt. Der aus dem Landkreis Hildburghausen stammende Martin Kretschmann trat die Nachfolge des in den Ruhestand verabschiedeten Volker Hirsch an. Somit sind er und sein Team Ansprechpartner für rund 4.100 Unternehmen im Landkreis Sonneberg.
Gemeinsam mit der zuständigen Regionalausschussvorsitzenden Sabine Diez und ihrem Stellvertreter Markus Bogoczek trafen sich Herr Kretschmann und die Landtagsabgeordnete Beate Meißner in den Räumlichkeiten der IHK-Niederlassung Sonneberg.

Neben dem ersten Kennenlernen gab es jede Menge Gesprächsthemen. Nach der die Wirtschaft lahmlegenden Corona-Pandemie gilt es, den Neustart der Thüringer Wirtschaft aktiv zu begleiten, Stolpersteine aus dem Weg zu räumen und die wirtschaftliche Ausdünnung des ländlichen Raumes zu verhindern.

Meißner stößt besonders die von der rot-rot-grünen Landesregierung vorgelegte Berufsschulnetzplanung auf. Hier ist unter anderem vorgesehen dem Sonneberger Berufsschulstandort, der SBBS, den kaufmännischen Bereich abzuziehen, um diesen in Hildburghausen zu etablieren. „Drastisch ausgedrückt amputiert man da ein gesundes Bein – dieser Zentralisierungswahn der Landesregierung ist weder zeitgemäß, noch nachhaltig!“, ist sich Meißner sicher und unterstützt damit auch die Ablehnung des Landkreises.

Angesprochen auf die meist unübersichtliche Lage im Verordnungsdschungel der Corona-Pandemie lobt die Politikerin die niedrigschwellige und kompetente Unterstützung der IHK in so mancher existenzbedrohenden Situation für Unternehmen in den letzten Monaten. Ob über die Hotline oder persönlich, man war präsent und konnte Unternehmen zielgerichtet beraten. Im Gespräch stellten Kretschmann und Bogoczek fest, dass die Corona-Pandemie ein zusätzlicher „Brandbeschleuniger“ für die rückläufigen Tendenzen des Bruttoinlandsproduktes in unserer automobil- und kunststofflastigen regionalen Industrie war. Während anderswo in den letzten 10 Jahren die sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze bundesweit um 20 Prozent stiegen, waren es in Sonneberg nur 0,6 Prozent. „In unserer Region überwiegen zudem die eher kleineren Betriebe von 10 bis 20 Mitarbeitern, was durchaus auch Vorteile hat“, stellt Markus Bogoczek, Geschäftsführer der metalution GmbH in Neuhaus-Schierschnitz, fest. Man sei flexibler und könne innovative Ideen schneller umsetzen.

Allerdings lässt die Zukunftsaussicht für den Sonneberger Wirtschaftsraum bei Bogoczek auch Sorgenfalten aufkommen. Die teilweise verschlafene Digitalisierung, der sich sehr schnell anpassende chinesische Markt und z. B. auch der Wegfall von Schaltknöpfen durch Touchscreen-Technologie haben das Marktvolumen stark schmelzen lassen. „Die Digitalisierung endet nicht am Werkstor einer Firma“, ist sich Bogoczek sicher. Hier müsse man mit Nachdruck nachholen und neue IT-Ausbildungsmöglichkeiten im Südthüringer Raum schaffen. „Die Ausbildung solcher Fachkräfte nur an der Perlenkette der A4 anzusiedeln, ist ein nicht gut zu machender Fehler und sollte zukünftig auch für unseren Berufsschulstandort geprüft werden“, bekräftigt die Sonneberger Landtagsabgeordnete.

Untätig sei man dahingehend allerdings nicht, betont Niederlassungsleiter Kretschmann. Es wurde ein Arbeitskreis Bildung gegründet, um einerseits den Bedarf der Unternehmer zu ermitteln und andererseits neue digitale Ausbildungsberufe zu etablieren, genannt seien hier z. B. IT-Kaufleute oder Kaufleute für E-Commerce. Vorstellen könne man sich seitens der IHK auch ausbildungsbegleitende Zertifikatslehrgänge und Zusatzqualifikationen für vorhandene Fachkräfte. Das entsprechende Förderprogramm der GFAW Thüringen wurde gefunden, das Interesse der Unternehmen ist immens. „Ob eigenständiger IT-ler oder ein als Ergänzungsberuf ausgebildeter Mitarbeiter – alles ist möglich. Der Bedarf ist da und junge Fachkräfte haben dann auch im ländlichen Raum eine Bleibeperspektive“, ist sich Martin Kretschmann sicher.

Die Regionalausschussvorsitzende und Geschäftsführerin der Diez Fördertechnik & Systeme GmbH, Sabine Diez, verweist auch auf den kürzlich verabschiedeten sogenannten Pakt für die Bewältigung pandemiebedingter Herausforderungen für die Sonneberger Wirtschaft zwischen IHK, Landkreis und Kommunen. Mit zehn ausgewählten Leitthemen möchte man hier gemeinsam konkrete Initiativen entwickeln, um neue Ideen zu bündeln und in Gemeinschaft voranzutreiben.
Auch die Attraktivität aus dem Tourismus heraus ist stark ausbaufähig in einer Region, die ein El Dorado für den Skisport auf den Kammlagen, einer Vielzahl von Wanderwegen jeder Schwierigkeitsstufe entlang des berühmten Rennsteigs und den Glanz einer ehemaligen Weltspielzeugstadt zu bieten hat.

Schlussendlich sind sich alle Gesprächsteilnehmer einig, dass unsere Region über ein großes Portfolio an Unternehmenskultur verfügt und ein Standort mit Potential in vielerlei Hinsicht ist. An den Niederlassungsleiter gerichtet versichert die Abgeordnete: „Der Gesprächsfaden darf gerne glühen, meine Unterstützung haben Sie!“

03.08.2021

Hits: 469