engagiert von Anfang an

Meißner besucht Sonneberger Schuldnerberatungsstelle

„… und plötzlich überschuldet“ heißt der Titel der 23. bundesweiten Aktionswoche Schuldnerberatung. Sie findet in dieser Woche vom 30. Mai bis zum 3. Juni 2022 statt. Dies nahm die Sonneberger Landtagsabgeordnete Beate Meißner (CDU) zum Anlass, sich vor Ort zu informieren. „Es ist zu befürchten, dass die steigenden Lebenshaltungskosten die Überschuldungsrisiken insbesondere für einkommensschwächere Haushalte erhöhen. Schuldnerberatungsstellen sorgen dafür, dass ‘schwere Schuldenverläufe’ abgemildert und verhindert werden können“, so die Sozialpolitikerin.

Im Landkreis Sonneberg gibt es hierzu ein Hilfsangebot in Trägerschaft der Volkssolidarität. Die Schuldner- und Verbraucherinsolvenzberatung in der Bismarckstraße 35 hilft Betroffenen, einen Ausweg aus prekären Situationen zu finden. Mit dem Geschäftsführer der Volkssolidarität Regionalverband Südthüringen, Matthias Kunze, und Beate Ulbricht von der Schuldnerberatung in Sonneberg sprach Beate Meißner über die aktuelle Lage angesichts steigender Energiepreise und Lebensmittelkosten für die Situation Betroffener, aber auch über die Probleme der Schuldnerberatung an sich.

Durchschnittlich kommen ca. 450 Personen pro Jahr in die seit  2009 in Sonneberg angesiedelte Beratungsstelle. Sie werden hinsichtlich Zwangsvollstreckungen, Kontopfändungen, Wohnungsverlusten und anderen Schuldenproblemen kostenfrei beraten. Es sind multiple Problemlagen, wie z.B. Arbeitslosigkeit, gescheiterte Immobiliengeschäfte, Sucht, aber auch Notlagen durch Krankheit, in denen Frau Ulbricht, Frau Köhler und Frau Ehrhardt den Betroffenen beratend zur Seite stehen.

„Die Schuldner- und Verbraucherinsolvenzberatungsstelle ist in erster Linie Hilfe zur Selbsthilfe, ein Anlaufpunkt für Menschen mit unterschiedlichsten Problemlagen. Keinem fällt es leicht hierher zu kommen, dessen sind wir uns bewusst. Wir vermitteln im Rahmen unseres Netzwerkes und zeigen Perspektiven auf, um aus der Schuldenfalle herauszukommen“, so Beate Ulbricht. Gerade deshalb finden die Beratungen unter strenger Vertraulichkeit und hohem Datenschutz statt. Bei dem Einen reicht eine einmalige Beratung, bei dem Anderen kann viel Zeit ins Land gehen, bevor eine Lösung in Sichtweite ist. Aber ein Aufgeben gibt es bei den Schuldnerberaterinnen nicht, da sind sich alle einig.

Leider ist auch die Beratungsstelle in Sonneberg nun von den Einsparungen durch die rot-rot-grüne Landesregierung, konkret das Thüringer Ministerium für Migration, Justiz und Verbraucherschutz, betroffen. Dadurch ist man nun gezwungen, die Beratungszeit der beiden Beraterinnen vor Ort wöchentlich um jeweils 1,5 Stunden zu kürzen. Zeit, die jetzt und in den nächsten Monaten dringend gebraucht wird.

Die Landtagsabgeordnete erläuterte, dass die Landesregierung mit diesen Einsparungen die falschen Prioritäten setze. Zwar habe der Landtag fraktionsübergreifend eine sogenannte globale Minderausgabe beschlossen, angesichts der üblicherweise verbleibenden Haushaltsreste und der bereits jetzt von der Thüringer Finanzministerin prognostizierten Steuermehreinnahmen in diesem Jahr sei diese aber ohne derartige Kürzungsorgien zu erwirtschaften. „Rot-Rot-Grün schiebt die CDU vor, um so völlig überflüssige Kürzungen in besonders sensiblen sozialen Bereichen zu begründen. Angebote wie die Schuldnerberatung müssten jetzt eigentlich ausgebaut werden, statt Lastenfahrräder und linke Ideologieprojekte mit immer mehr Mitteln zu fördern“, so die Oppositionspolitikerin. Sie versprach sich im Landtag dafür einzusetzen, dass im laufenden Haushalt nachjustiert wird.

Als behindertenpolitische Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion beeindruckte Beate Meißner bei ihrem Besuch ein besonderes Projekt der hiesigen Schuldnerberatung. 2017 wurde hier deutschlandweit einmalig ein „Schuldenwörterbuch“ in leichter Sprache herausgegeben, das mittlerweile auch online abrufbar ist. Ein Angebot, das nicht nur für Menschen mit Behinderung hilfreich sein kann. Meißner versprach, sich bei einer Neuauflage um Fördermittel zu bemühen.

02.06.2022

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